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The Zephyr – Februar 2023

Bitte beachten Sie, dass Pir Zia den folgenden Brief am 8. Februar 2023 schrieb, als er Baroda, den Geburtsort von Hazrat Inayat Khan, besuchte. 

Liebe Weggefährtinnen und Weggefährten,

Möge dieser Brief Sie wohlauf finden. Ich schreibe Ihnen auf meinem Mobiltelefon aus einem malerischen Zimmer im obersten Stockwerk von Naulakha – auch bekannt als Maulabakhsh House – dem Haus in Baroda, in dem Murshid aufwuchs. Bei mir ist Pirani Sartaj, in der Nähe befinden sich viele Familienmitglieder, und auf der anderen Seite des Hofes sitzen unsere Inayati-Gäste, Tarana, Shams Al Haqq und Ruhiya. Während ich schreibe, kann ich Tarana hören, wie sie Murshids Lieder aus dem Minqar-i Musiqar singt.

ad554d8a 978a 7202 258d 58785fd25ed9Wir sind jetzt seit mehr als einer Woche in Indien. Unsere ersten Tage verbrachten wir in Delhi, besuchten die Gräber der Heiligen und Dichter und suchten – und fanden! – Schriften des großen Sufi-Theologen aus Delhi namens Shah Waliullah, dessen Sata’at und Lama’at ich kürzlich in einem Zephyr erwähnt habe. An Shah Waliullahs Grab, das unscheinbar auf einem wenig besuchten Friedhof in Alt-Delhi liegt, erlebte ich große Ruhe und Gelassenheit. Auch am Grab von Bibi Fatima Sam, der weiblichen Heiligen, für die Khwaja Nizamuddin Awliya so viel Zuneigung und Wertschätzung empfand, herrschte eine exquisite Atmosphäre. Als jemand Khwaja Nizamuddin unpassenderweise fragte, ob sie als Frau zu Recht als Heilige gelten könne, antwortete Khwaja Nizamuddin spitz: “Wenn ein Tiger aus dem Gebüsch auf dich zuspringt, fragst du dann: ‘Ist es ein männlicher oder ein weiblicher Tiger?”! 

Murshids Ruhestätte oder Dargah befindet sich dort, wo sie ist, weil der damalige Verwalter von Khwaja Nizamuddins Schrein, Murshids Freund und Bewunderer Khwaja Hasan Nizami, das Land zur Verfügung gestellt hat. Das diesjährige Jubiläumsfest, auch Urs genannt, dauerte drei Tage. Am dritten Tag, dem 5. Februar, trugen wir ein gesticktes Tuch vom Grab von Khwaja Nizamuddin zum Grab von Murshid, wo wir Gebete sprachen und ekstatischer Musik lauschten. Während aller drei Tage erklang Musik der ganz besonderen Art, und die Klänge verschiedener Instrumente – Violine, Sitar, Vina, Rabab, Santur, Tabla, Pakhavaj, Tambura und Stimme – webten zusammen einen Teppich aus Rhythmen und Tönen, der so hell und duftend war wie das goldene Tuch, das wir durch das Stadtviertel trugen. Mehr Bilder finden Sie hier. 

Ein weiterer glanzvoller Höhepunkt des Urs war die lebendige und beeindruckende Präsentation der Schülerinnen und Schüler des Hope Project, einer Initiative, die mein Vater in den 1970er Jahren ins Leben gerufen hat, um verarmten Menschen im Distrikt zu helfen, ihre Lebensbedürfnisse zu sichern und einen erfolgversprechenden Weg in ihr Leben zu finden. Das Hope Project ist zu einem Modell für ähnliche Projekte in ganz Indien und darüber hinaus geworden, und das aus gutem Grund. Man kann mit eigenen Augen sehen, wie das Hope Project kreative Antworten auf große Bedürfnisse findet und dabei die Lebensumstände und Perspektiven von Einzelpersonen und Familien über mehrere Generationen hinweg verändert. Weitere Informationen über das Hope Project und darüber, wie Sie sich engagieren können – wie ich es vor fast dreißig Jahren getan habe, als ich dort ein Jahr lang als Freiwilliger arbeitete – finden Sie hier.

Was mich während des diesjährigen Urs am meisten bewegte, war die Einweihung von zwei neuen Maqams oder Schreinen innerhalb des Komplexes: der erste ist Murshids Murshid, Sayyid Abu Hashim Madani, gewidmet, der zweite Murshids Tochter Pirzadi-Shahida Noor-un-nisa. Diese Erweiterung der Dargah wurde durch die kontinuierliche Unterstützung der Murshid Mohammed Ali Khan Foundation und den unermüdlichen Einsatz von Dr. Farida Ali, die sich um Murshids Dargah kümmert, und Syed Mustafa Kaleemi, der die Dargah von Sayyid Abu Hashim Madani in Hyderabad betreut, ermöglicht. Die beiden neuen Denkmäler enthalten Reliquien (tabarrukat) von Sayyid Abu Hashim bzw. Pirzadi Noor. Kurz nachdem sie das Grab ihres Vaters nach dessen plötzlichem Ableben besucht hatte, komponierte Noor das “Lied an den Madzub”, in dem sie ihre aufrichtige Sehnsucht zum Ausdruck bringt, zu Füßen ihres Vaters Ruhe zu finden. Mit der Einweihung des neuen Maqam hat sich Noors Wunsch auf symbolträchtige Weise erfüllt.

Baroda ist ganz anders als Delhi, aber man spürt Murshids Gegenwart hier am Ort seiner Geburt genauso stark wie am Ort seines Todes. Das Zimmer, in dem Murshid geboren wurde, ist als Ort der Meditation erhalten geblieben, und zusammen mit meiner Tante Harunnisa Begum hat eine großzügige deutsche Murid, Petra Beate Schildbach, dafür gesorgt, dass im Erdgeschoss eine geräumige und attraktive Halle gebaut wurde, in der gelegentlich Konzerte und Gottesdienste des Universal Worship stattfinden. Wir werden uns dort zu einer Sama (mystische Musiksoiree) versammeln – eine Zusammenkunft, an der, wenn diese Zeilen Sie erreichen, viele von Ihnen bereits online teilgenommen haben werden. So Gott will, wird auf die Sama am nächsten Morgen ein öffentliches Konzert zum Gedenken an Maulabakhsh von meinem guten Freund Pandit Srinivas Reddy folgen.

In dieser Welt liegen Glück und Traurigkeit selten weit auseinander. Inmitten dieser gesegneten Pilgertage erreichte uns gestern die Nachricht von dem furchtbaren Erdbeben, das in der Türkei und in Syrien eine unvorstellbare Zerstörung angerichtet hat. Der Schmerz und die Trauer sind einfach unermesslich. In unseren Meditationsstunden im Geburtszimmer lassen wir aus tiefstem Herzen unsere Gebete emporsteigen. In manchen Momenten erhält man einen Einblick in die Vielzahl der mobilisierten Engel und Geistführer, die sich um die übergehenden Seelen und die zerbrochenen Herzen derer kümmern, die sie zurückgelassen haben. So schrecklich die Tragödie auch ist, so kann man doch unmittelbar hinter dem Vorhang Zeuge eines enormen Stroms von Liebe und Licht aus den Tiefen der Existenz werden, der dem Geschehenen mit einer Fürsorge (inayat) begegnet, die alle Grenzen überschreitet. Mögen wir, die wir noch in diesen Körpern der Materie leben, uns mit den Unsichtbaren verbünden, die auf die Not reagieren, und anbieten, was wir an Hilfe leisten können, sowohl geistig als auch materiell. Nachstehend finden Sie Informationen darüber, wie den Betroffenen geholfen werden kann.

Immer der Ihrige,
Pir Zia

Bis zum 14. Februar hat die Zahl der Todesopfer in der Türkei und in Syrien die Zahl von 40.000 überschritten. Wir beten weiterhin für die Menschen in dieser Situation. Wenn Sie Geld spenden möchten, um Hilfsmaßnahmen zu unterstützen, finden Sie hier eine Liste von Organisationen, die wir in Absprache mit Freunden und dem Team von Closer Than You Think zusammengestellt haben.

 

Original in Englisch 

Please note that Pir Zia wrote the following letter on 8 February 2023, while visiting Baroda, the birthplace of Hazrat Inayat Khan.

Dear Companions on the Path,

May this find you well. I am writing to you on my phone from a picturesque room on the top floor of Naulakha—otherwise known as Maulabakhsh House—the house in Baroda in which Murshid grew up. With me here is Pirani Sartaj, close by are many family members, and across the courtyard are our Inayati guests, Tarana, Shams Al Haqq, and Ruhiya. As I write, I can hear Tarana singing Murshid’s songs from the Minqar-i Musiqar.

We’ve been in India for more than a week now. Our first days were spent in Delhi, visiting the tombs of the saints and poets, and searching for—and indeed finding!—writings of the great Delhiite Sufi theologian Shah Waliullah, whose Sata‘at and Lama‘at I mentioned in a recent Zephyr. I experienced great serenity at Shah Waliullah’s grave, which is inconspicuously situated in a little-frequented cemetery in Old Delhi. There was also an exquisite atmosphere at the tomb of Bibi Fatima Sam, the lady saint for whom Khwaja Nizamuddin Awliya had so much affection and esteem. When someone inaptly asked Khwaja Nizamuddin whether as a woman she could rightly be considered a saint, Khwaja Nizamuddin pointedly replied, “If a tiger leaps out at you from the brush, do you ask, ‘Is it a male tiger or a female tiger!’”

Murshid’s resting place, or Dargah, is where it is because the land was offered by the then-custodian of Khwaja Nizamuddin’s shrine, Murshid’s friend and admirer Khwaja Hasan Nizami. This year’s anniversary program, or Urs, lasted three days. On the third day, February 5th, we carried an embroidered sheet from the tomb of Khwaja Nizamuddin to the tomb of Murshid, where we recited prayers and listened to ecstatic music. Throughout the three days, music of a very exalted kind was pervasive, and the sounds of several instruments—violin, sitar, vina, rabab, santur, tabla, pakhavaj, tambura, and voice—together wove a tapestry of rhythms and tones as bright and fragrant as the golden sheet we carried through the urban village. You can find more pictures here.

Another splendid highlight of the Urs was the lively and impressive presentation made by students of the Hope Project, the initiative established by my father in the 1970s to help impoverished people in the district to meet their needs and find a promising path forward in life. The Hope Project has become a model for similar projects throughout India and beyond, and for good reason. One can see with one’s own eyes how the Hope Project is creatively answering great needs, and in doing so transforming the circumstances and outlooks of individuals and families over multiple generations. For more information about the Hope Project and how you can get involved—as I did nearly thirty years ago when I worked there for a year as a volunteer—please click here.

What moved me most of all during this year’s Urs was the consecration of two new maqams, or shrines, within the complex: the first dedicated to Murshid’s Murshid, Sayyid Abu Hashim Madani, and the second dedicated to Murshid’s daughter Pirzadi-Shahida Noor-un-nisa. This expansion of the Dargah was made possible thanks to the ongoing support of the Murshid Mohammed Ali Khan Foundation and the indefatigable efforts of Dr. Farida Ali, who looks after Murshid’s Dargah, and Syed Mustafa Kaleemi, who looks after Sayyid Abu Hashim Madani’s Dargah in Hyderabad. The two new memorials contain relics (tabarrukat) of Sayyid Abu Hashim and Pirzadi Noor respectively. Soon after visiting her father’s grave following his sudden departure from the world, Noor composed the “Song to the Madzub,” in which she expresses her earnest longing to find rest at the feet of her father. With the dedication of the new maqam, in a powerfully symbolic fashion Noor’s wish has been fulfilled.

Baroda is very different from Delhi, but one feels Murshid’s presence as strongly here at the place of his birth as one does at the place of his death. The room in which Murshid was born has been kept as a place of meditation, and, in conjunction with my aunt Harunnisa Begum, a generous German murid, Petra Beate Schildbach, has arranged for a spacious and attractive hall to be built downstairs, where concerts and Universal Worship services are sometimes held. We will convene there for a sama (mystical music soirée)—a gathering in which, by the time these lines reach you, many of you will have already taken part online. God willing, the sama will be followed the next morning by a public concert in memory of Maulabakhsh by my good friend Pandit Srinivas Reddy.

In this world, happiness and sadness are rarely far apart. In the midst of these blessed days of pilgrimage we received the news yesterday of the terrible earthquake that wreaked such utter and unimaginable destruction in Turkey and Syria. The pain and grief is simply beyond reckoning. In our meditation sessions in the Birth Room we are lifting up heartfelt prayers. At certain moments one is given a glimpse of the mobilization of the angels and spirit guides in great numbers who are tending to the transitioning souls and the shattered hearts of those they have left behind. As truly horrific as the tragedy is, just behind the curtain one is able to witness an enormous outpouring of love and light from the depths of existence, meeting what has happened with a care (inayat) beyond all limits. May we who still live in these bodies of matter ally ourselves with the invisible ones who are responding to the need, and offer what help we can, both spiritually and materially. Below please find information as to how those affected may be helped.

Yours ever,
Pir Zia

As of February 14th, the death toll in Turkiye and Syria has surpassed 40,000. We continue to pray for the situation. If you wish to donate money to support relief efforts, here is a list of organizations that we have put together in consultation with friends and the team at Closer Than You Think.

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