The Zephyr – Januar 2026

21. Januar 2026

Liebe Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter,

ich hoffe, diese Zeilen erreichen Sie wohlbehalten.

Shaykh al-Akbar Muhyi ad-Din Ibn al-‘Arabi sagte in einem Verspaar: „Die Menschen sind nur Geschichten – alle insgesamt / Sei also die beste Geschichte, die sie hören.“

Wir sind Geschichten. Von dem Tag unserer Geburt bis zu dem Tag unseres Todes formt sich eine Erzählung. Und diese Erzählung hat sowohl einen Prolog als auch einen Epilog im Verborgenen.

Wenn unser Körper zur Ruhe gebettet wird, was wird dann von uns in der physischen Welt fortbestehen, außer der Geschichte, die wir gelebt haben? Hoffentlich ist es eine gute, eine tief empfundene.

Wir sind nicht nur die Hauptfigur unserer persönlichen Geschichte; wir spielen auch eine Rolle in vielen anderen Geschichten. Während wir als Held unserer eigenen Saga umherziehen – sind wir dann vielleicht der Schurke in der Geschichte eines anderen?

Metafiktionen wie das Yoga Vasishtha, die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht und die Erzählungen von Jorge Luis Borges erinnern uns daran, dass es Geschichten in Geschichten in Geschichten gibt. Jeder von uns ist nicht nur eine Geschichte, sondern auch eine Bibliothek von Geschichten, die wir von Vorfahren, Freunden, Lieblingsautoren und verschiedenen anderen Erzählern geerbt haben.

Als Murshid plötzlich die Welt verließ, erkannte Noor, dass er ihr eine Welt der Weisheit geschenkt hatte, durch die Geschichten, die er ihr und ihren Geschwistern erzählt hatte, wenn er sie abends ins Bett brachte. Sie beschloss, selbst eine Geschichtenerzählerin zu werden. Als der Faschismus sein Haupt erhob, nutzte sie Geschichten des Mitgefühls und der Verbundenheit, um dem nationalsozialistischen Missbrauch uralter Folklore entgegenzuwirken.

Manchmal verschwinden Geschichten für eine Weile, nur um wieder aufzutauchen. Noors Lieblingswerk unter ihren Kompositionen, „De l’or sur la cime“ (Das Gold auf dem Gipfel), galt als unwiederbringlich verloren, ist aber in der Sammlung des Sufi-Museums in Den Haag wieder aufgetaucht. Misbah Noor Afridi hat eine englische Übersetzung angefertigt, und ich hoffe, dass demnächst eine zweisprachige Ausgabe erscheinen wird. Es ist eine alchemistische Fabel, die in einer außergewöhnlichen Vision der Engelssphäre gipfelt.

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Ich freue mich, mitteilen zu können, dass meine Geschichtensammlung mit dem Titel „Tränen von der Mutter der Sonne“ (Tears from the Mother of the Sun), geschmückt mit eindringlichen Illustrationen von Amruta Patil, nächste Woche ausgeliefert wird und in Indien bereits erhältlich ist. Was war die Superkraft des Wiedehopfs Ya‘fur? Warum baute Minos ein Labyrinth in Knossos? Wer war die letzte Person, die die Smaragdtafel unter der Pyramide des Hermes las? Die Antworten stehen im Buch.

Seit der Arbeit an „Tränen“ haben drei Geschichten in Form von Blankvers-Dramen meine Feder in Beschlag genommen. Die erste davon ist die Artus-Romanze „Al-Battar“, die, so Gott will, vom 9. bis 12. April als szenische Lesung in Glastonbury aufgeführt wird. Ich hoffe, Sie dort zu sehen.

Darüber hinaus würde es mich freuen, Sie später in diesem Monat beim Urs in Delhi zu treffen, bald darauf bei den Online-Sitzungen von In einem östlichen Rosengarten oder beim Frühlingsretreat in Gersfeld im April.

Mögen unsere Leben der Verherrlichung mit sorgfältiger, fließender Handschrift niedergeschrieben sein. Möge unsere Tinte flüssiges Erdenlicht sein.

Immer Ihr,

Pir Zia

Original in Englisch

21 January 2026

Dear Companions on the Path,

I hope this finds you well.

Shaykh al-Akbar Muhyi ad-Din Ibn al-‘Arabi said in a couplet: “People are only stories–all of them / So be the best story that they hear.”

We are stories. From the day we were born till the day we die, a tale is taking shape. And the tale has a prologue as well as an epilogue in the Unseen.

When our body is laid to rest, what will endure of us in the physical world but the story we’ve enacted? Hopefully it’s a good one, a deeply felt one.

Not only are we the protagonist of our personal story; we have a role in many other stories. While going about as the hero of our own saga, are we the villain of someone else’s?

Metafictions like the Yoga Vasishta, the Arabian Nights, and the stories of Jorge Luis Borges remind us that there are tales within tales within tales. Each of us is not only a story, but also a library of stories inherited from ancestors, friends, favorite authors, and various other raconteurs.

When Murshid suddenly left the world, Noor realized that he had given her a world of wisdom through the stories he had told her and her siblings when tucking them in at night. She resolved to become a storyteller herself. When fascism reared its head, she used stories of compassion and interconnectedness to counteract the Nazi abuse of immemorial folklore.

Sometimes stories disappear for a time, only to reappear. Noor’s favorite among her compositions, De l’or sur la cime (The Gold on the Summit), was thought to be irretrievably lost, but has resurfaced in the collection of the Sufi Museum in Den Hague. Misbah Noor Afridi has produced an English translation, and I am hopeful that a dual language edition will come out before long. It’s an alchemical fable culminating in an extraordinary vision of the angelic realm.

I’m pleased to say that my story collection entitled Tears from the Mother of the Sun, emblazoned with striking paintings by Amruta Patil, ships next week, and is already available in India. What was the hoopoe Ya‘fur’s superpower? Why did Minos build a labyrinth in Knossos? Who was the last person to read the Emerald Tablet under the pyramid of Hermes? The answers are in the book.

Since writing Tears, three stories in the form of blank verse dramas have commandeered my pen. The first of these is the Arthurian romance Al-Battar, which will be performed as a reading in Glastonbury, God willing, April 9th-12th. I hope to see you there.

Additionally, it would be a delight to see you at the Urs in Delhi later this month, in the online In an Eastern Rose Garden sessions soon thereafter, or at the Spring Retreat in Gersfeld in April.

May our lives of glorification be inscribed with meticulous flowing penmanship. May our ink be liquid earthlight.

Yours ever,
Pir Zia

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