Erläuterung zu den weiblichen Gestalten im Gebet Salawat (Neufassung)

Sita
Alte vedische Göttin, Tochter der Erdgöttin, die für die Fruchtbarkeit der Felder zuständig ist. In den jüngeren hinduistischen Schriften (Ramayana) wird Sita als Frau des mythologischen Helden und späteren Königs Rama geschildert, dem sie schon in der Werbungszeremonie ihre aufrichtige Liebe schenkt. Ihre Liebe wird geprüft, als sie vom Dämonenkönig Ravana entführt und in dessen Reich gefangen gehalten wird, wo sie allen Versuchen Ravanas, ihre Liebe zu erlangen, widersteht. Rama befreit Sita, kann sich aber von seinem Argwohn in Bezug auf ihre Treue nicht befreien. Trotz seines Misstrauens und abweisenden Verhaltens ihr gegenüber erweist Sita ihm unverbrüchlich ihre Treue und Liebe. Sie gilt daher als Verkörperung bedingungsloser Liebe und ehelicher Treue und wird verehrt als Beispiel für das Festhalten an den eigenen Werten und Idealen, unabhängig von äußeren Umständen und dem Verhalten anderer Menschen ihr gegenüber.

Radha
Hirtenmädchen, das sich der hinduistische Gott Krishna zur Geliebten erwählt. Radha und Krishna verkörpern in der hinduistischen Literatur das ideale Liebespaar. Radha steht für absolute Hingabe an den Geliebten ohne die Sicherheit einer legalen und gesellschaftlich abgesicherten Beziehung. Alles Leid der Trennung und alle Hindernisse tragen nur dazu bei, ihre Sehnsucht und Liebe zu vertiefen. In diesem Sinn verkörpert Radha die Seele des Menschen, die sich nach dem bzw. der göttlichen Geliebten sehnt und alle Schwierigkeiten und Leiden erträgt, um einige wenige ekstatische Momente der Vereinigung zu erleben.

Parvati
Die Welt ist von einem mächtigen Dämon bedroht. Laut einer Verheißung kann nur ein Sohn Shivas diesen Dämon besiegen. Auf Wunsch der Hindu-Götter und Göttinnen gewinnt Parvati, eine Berggöttin, den weltabgewandten Shiva, den Gott der Askese und der Meditation, als Ehemann und zeugt mit ihm den Heldensohn, der die Welt rettet. Durch ihre klugen Fragen entlockt sie Shiva die weisen Erkenntnisse, die er in seinem Rückzug und der meditativen Versenkung erwirbt, und macht sie den Menschen zugänglich. Ihre wichtigste Aufgabe als Gemahlin Shivas besteht darin, Shiva, der in seiner unbändigen Kraft und zügellosen Wildheit zerstörerisch wirken kann, zu zivilisieren und als sein Gegenpol das energetische Gleichgewicht in der Welt aufrecht zu erhalten. In ihrer Weltzugewandtheit schützt sie das Leben und erschafft aus den kosmischen Wassern die Welt immer wieder neu. Als Verkörperungen des männlichen und weiblichen Prinzips des Seins ergänzen Parvati und Shiva einander und sind letztlich eins.

Tara
Weiblicher Bodhisattva des Mitgefühls im Buddhismus. Die bekannteste Legende beschreibt Taras Entstehung in Verbindung mit dem männlichen Bodhisattva Avalokiteshvara. Als er das Leiden der Menschen auf der Welt sieht, beginnt er aus Mitgefühl und liebender Güte zu weinen. Die Tränen fallen auf die Erde und bilden einen großen Teich. Auf dem Lotus, der aus dem Wasser herauswächst, sitzt eine schöne junge Frau: Tara. Sie schwört, für das Wohl aller fühlenden Wesen zu arbeiten. Als sie die endgültige Erleuchtung erlangt und sich auf dem Weg ins Nirwana befindet, hört sie das Schreien eines kleinen Kindes und beschließt, erst dann ins Nirwana einzugehen, wenn alle Menschen auf Erden erleuchtet sein werden. Es werden 21 Erscheinungsformen der Göttin Tara verehrt, die die verschiedenen Aspekte des Mitgefühls verkörpern. Die bekanntesten sind die Grüne Tara, die als Nothelferin mit einem Fuß den Boden berührt, damit sie schnell aktive Hilfe leisten kann, die Weiße Tara, die in ihrer Weisheit ein tiefes Verständnis für die Menschen zeigt und inneren Frieden bringt, und die Rote Tara, die die Macht der Liebe und die Beseitigung schädlicher Einflüsse durch den Kampf mit dem Bösen verkörpert.

Sarah und Hagar
Die zwei Frauen Abrahams sind die Erzmütter zweier großer Völker, nämlich der israelitischen und arabischen Stämme, die von ihren Söhnen Isaak und Ismael abstammen. Sie spielen sowohl in der jüdischen und christlichen Religion als auch im Islam eine wichtige Rolle. Sarah wird als Seherin verehrt und als die einzige Frau in der jüdischen Bibel, mit der Gott – anlässlich der Prophezeiung der Geburt ihres Sohnes – direkt und nicht über Engel gesprochen hat. Wegen ihrer Weitsicht weist Gott Abraham an: “Tue, was Sarah dir sagt.” Hagar genießt den Beistand des Erzengels Gabriel, der sie und ihren Sohn Ismael nach ihrer Ausweisung aus dem Hause Abrahams auf ihrer langen Irrwanderung durch die Wüste beschützt und – islamischen Quellen zufolge – zur Kaaba nach Mekka führt. Die Quelle Zamzam, die sie vor dem Verdursten bewahrt, wird noch heute von islamischen Pilgern als heiliger Ort besucht. Hagar steht für Mut, Durchhaltekraft und Glaubensstärke.

Deborah
Prophetin und Richterin im Alten Testament. Deborah ist die einzige Frau, die das Amt der Richterin innehat. Sie sitzt unter einer Palme, die den “Baum des Lebens” repräsentiert, und sorgt dafür, dass den Menschen, die zu ihr kommen, Gerechtigkeit zuteilwird. Als Frauengestalt nimmt Deborah somit eine wichtige Funktion wahr, die für die palästinische Antike ungewöhnlich ist. Sie verkörpert während der feindlichen Herrschaft des Königs Jabin von Kanaan, der das Volk zwanzig Jahre lang unterdrückt, den Pol der Ruhe und Ordnung in ihrem Volk. Darüber hinaus wirkt sie auch politisch. Als Prophetin, die mit der Quelle der göttlichen Weisheit verbunden ist, empfängt sie die göttliche Botschaft, dass sie das israelitische Heer unter dem Feldherrn Barak gegen Kanaan zum Kampf aufrufen solle. Weil sie durch ihren Beistand im Kampf dem israelitischen Heer zum Sieg und dem Volk zur Befreiung von der Fremdherrschaft verholfen hat, wird Deborah als “Mutter von Israel” und als “Retterin Israels” bezeichnet. Nach der Befreiung herrscht vierzig Jahre lang Frieden in Israel. Deshalb wird sie auch als Friedensbringerin verehrt.

Anahita
Weibliche Gottheit des Wassers und der Weisheit in der Religion Zarathustras. Anahita ist der “Weltenfluss”, der die Menschheit reinigt. Mit dem Wasser bringt sie Fruchtbarkeit und beschützt Frauen bei der Geburt ihrer Kinder und in ihrer Mutterschaft. Später entwickelt sie sich, in Verbindung mit dem Gott Ahura Mazda, zur Schutzpatronin des Staates. Der neunte Tag sowie der achte Monat des Jahres sind im zoroastrischen Kalender dem Wasser geweiht und stehen unter seinem Schutz. Entsprechend wird Anahita von Zoroastriern am Namenstag des Wassers gefeiert, insbesondere am Abanagan, dem neunten Tag des achten Monats.

Asiya
Wichtige weibliche Gestalt im Islam. Im Koran wird sie als eine der vier frommsten Frauen bezeichnet, die die Ehre haben, als erste ins Paradies eintreten zu dürfen. Asiya ist die Frau des Pharao in Ägypten zu der Zeit, als der Pharao alle Neugeborenen aus dem Volk Israel töten lässt. Dem Koran zufolge rettet sie den kleinen Moses (Musa) aus dem Nil und zieht ihn auf, als wäre er ihr eigenes Kind. Deshalb steht sie als Beispiel für Toleranz gegenüber Andersgläubigen. Als Moses später als Prophet die Lehre von dem einen Gott verkündet, folgt sie ihm und seiner Lehre trotz der Verfolgung durch den Pharao, der schließlich sie und ihre Kinder zu Tode foltert. So wird sie im Islam auch als Märtyrerin und als Symbol für Glaubensfestigkeit verehrt.

Miriam
Älteste Schwester des Moses. Der biblischen Erzählung zufolge bewirkt Miriam, dass das Baby Moses, das vor den Verfolgungen des ägyptischen Pharaos in einem Korb im Schilf am Nilufer versteckt wird, von der Tochter des Pharaos gefunden und von seiner eigenen Mutter als Amme aufgezogen wird. Nach dem geglückten Auszug der Israeliten aus Ägypten vollzieht sie das priesterliche Amt der Danksagung und des Gotteslobs und erweist sich während der langen Wüstenwanderung der Israeliten als Prophetin mit magischer Kraft über das Wasser. Immer, wenn das Wasser knapp wird, vollbringt sie das Wunder, aus der trockenen Erde eine Quelle springen zu lassen. Zum Passah Seder wird ihrer gedacht, indem viele Jüdinnen und Juden eine Tasse mit Wasser neben die mit Wein gefüllte traditionelle Tasse des Elijah stellen.

Maria
Mutter Jesu, im christlichen Glauben verehrt als Gottesmutter und Mittlerin zwischen Gott und den Menschen, da sie als „Pieta“ auf Erden den Leidensweg und Kreuzestod ihres Sohnes mitvollzogen hat und laut katholischem Dogma als „Himmelskönigin“ und „Maria assumpta“ in den Himmel aufgestiegen ist. Die Protestanten würdigen sie als Vorbild einer starken Frau, die ein schweres Schicksal meistert, und als Verkünderin des „Magnificat“, einer Zukunftsvision, die soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit und Freiheit für die Menschheit verspricht.

Khadija
Erste Frau Mohammeds. Khadijas große Bedeutung für die Entwicklung des Islam besteht darin, dass sie Mohammed mit ihrer Liebe und mit ihrer Überzeugung von der Größe seines göttlichen Auftrags emotional und spirituell genährt und ermutigt hat. Ihr Status als angesehene, wohlhabende und erfolgreiche Geschäftsfrau gestattet ihr, ihren Mann Mohammed und seine ersten Anhänger in ihren strapaziösen Glaubenskämpfen auch finanziell zu unterstützen. Ihr Todesjahr wird von den Muslimen als „Jahr des Kummers“ bezeichnet. Da sie als erste zum Islam konvertiert ist und wegen ihres tatkräftigen Einsatzes für die neue Religion wird sie als „Mutter der Gläubigen“ verehrt.